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Saṁyutta Nikāya 22.22 Verbundene Lehrreden 22.22
3. Bhāravagga 3. Das Kapitel über die Bürde
Bhārasutta Die Bürde
Sāvatthiyaṁ … tatra kho … In Sāvatthī. Diese Lehrrede wird in späteren Texten sowohl des Pali- als auch des Sanskritbuddhismus viel zitiert, besonders, wenn diskutiert wird, was der Buddha unter „Person“ (puggala) verstand. Eine buddhistische Schule, der Pudgalavāda, brachte vor, die „Person“ sei letztlich wirklich, aber nicht definiert; sie sei weder mit den Aggregaten identisch noch von ihnen getrennt. Diese Position wurde von anderen Schulen einschließlich des Theravāda abgelehnt (Kv 1.1). Der Text selbst behandelt allerdings spirituelle Verantwortung, nicht die Natur persönlicher Identität. (Sujato)
“bhārañca vo, bhikkhave, desessāmi bhārahārañca bhārādānañca bhāranikkhepanañca. „Mönche und Nonnen, ich will euch die Bürde lehren, den Träger der Bürde, das Aufnehmen der Bürde und das Niederlegen der Bürde. Das Paliwort bhāra hat, wie das englische „burden“ (und das deutsche „Bürde“; A.d.Ü.) die doppelte Bedeutung von „Gewicht“ und „Verantwortung“. Der einführende Satz weist klar auf drei der vier edlen Wahrheiten hin (die Bürde = Leiden, das Aufnehmen = Ursprung, das Niederlegen = Aufhören), lässt aber den Status des „Trägers der Bürde“ im Unklaren. Ich schlage vor, dass die Reihe der Wahrheiten zu rhetorischen Zwecken abgeändert wurde und dass der „Träger der Bürde“ jemand ist, der den Pfad unternommen hat. Vergleiche AN 2.98–99, wo der Tor derjenige ist, der die „Bürde“ nicht richtig „trägt“ (d. h. die Verantwortung nicht richtig übernimmt), wohingegen der Kluge die Bürde richtig trägt. (Sujato)
Taṁ suṇātha. Hört zu …
Katamo ca, bhikkhave, bhāro? Und was ist die Bürde?
Pañcupādānakkhandhā tissa vacanīyaṁ. Man soll sagen: die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate. Das vedische skandha wird nicht im Sinn eines Fachausdrucks gebraucht, es ist einfach der „Stamm“ eines Baumes (Rig Veda 1.32.5, Atharva Veda 10.7.38) oder der „Rumpf“ eines Menschen (im Plural „Schultern“, Atharva Veda 6.25.2, 6.135.1 usw.). Der buddhistische Gebrauch hat mehr mit den Jainas gemeinsam, für die skandha eine Art von Materie (pudgala) war, die aus zwei oder mehr miteinander verbundenen „Atomen“ (aṇu) bestand, das heißt, einem „Molekül“ (Tattvārthasūtra 5.5). Daher können die Aggregate selbst als das angesehen werden, was die Bürde „schultert“ (wie Büffel, Arthaśāstra 2.29.8). (Sujato)
Katame pañca? Welche fünf?
Rūpupādānakkhandho, vedanupādānakkhandho, saññupādānakkhandho, saṅkhārupādānakkhandho, viññāṇupādānakkhandho; Das mit Ergreifen verbundene Aggregat der Form, das des Gefühls, das der Wahrnehmung, das der Willensbildungsprozesse und das des Bewusstseins.
ayaṁ vuccati, bhikkhave, bhāro. Das nennt man die Bürde. Die Aggregate sind eine „Bürde“ in dem Sinn, dass sie schwer zu tragen und daher Leiden sind. Aber sie sind auch eine „Verantwortung“, wie eine Wunde, um die man sich kümmern muss, wenn man gesund werden will (MN 105:19.1). (Sujato)
Katamo ca, bhikkhave, bhārahāro? Und wer ist der Träger der Bürde? Bhārahāra ist fast ausschließlich für Diskussionen dieser Lehrrede belegt. Allerdings finden wir einen idiomatischen Gebrauch ohne Bezug dazu im Kommentar zu AN 3.91, wo es „jemanden, der die Verantwortung übernimmt“ bedeutet (sich um ein Kloster zu kümmern). Auch spricht Śāṅkhāyana Āraṇyaka 14.2 über einen Schüler, der den Veda nachspricht, ohne ihn zu verstehen, wie von einer Säule, die bloß „die Bürde trägt“ (bhārahāra), und bezieht sich damit auch auf einen Menschen, der eine Verantwortung übernommen hat. (Sujato)
Puggalo tissa vacanīyaṁ. Man soll sagen: die Person – Puggala (Sanskrit pudgala) ist ein Begriff des Buddhismus und Jainismus; er fehlt in vorbuddhistischen Texten und ist in späteren selten. Die Suttas nutzen ihn dann unvermittelt rund 3000 mal, um „Personen“ und ihre Eigenschaften zu beschreiben, besonders im Aṅguttara-Nikāya und gesammelt im Abhidhammabuch Puggalapaññatti. Das Pali ist reich an Ausdrücken für „Mensch“, warum wurde puggala daher so bezeichnend? Die Bedeutung von pudgala bei den Jainas ist „aus Partikeln aufgebaute Materie“ (Tattvārthasūtra 5.5, Isibhāsiyam 1.31, Uttarādhyayanasūtra 28.12). Sie sagen, zu „substanzieller Wirklichkeit“ (astikāya = sakkāya) gehöre „Materie“ (pudgala), die sich aus „Atomen“ (anu) und „Molekülen“ (skandha) zusammensetze. Pudgala wird von Kauṭilya auch für einen einzelnen „Gegenstand“ (aus Gold) gebraucht (Arthaśastra 2.14.7, 2.14.43). Des Weiteren finden wir die Vorstellung, Wesen seien pudgalāśrayāḥ („aus einer zusammengesetzten Masse bestehend“, Viṣṇu Purāṇa 5.30.13), im Zusammenhang mit einer Kritik an denen, die das Fehlen eines Selbst behaupten, d. h. den Buddhisten. Selten verweist späteres Sanskrit auf die Bedeutung „Körper“. Somit kommt puggala dem gleichen semantischen Feld nahe wie khandha („Aggregat“) und kāya („Körper“, aus der Wurzel ci, „Haufe“) und führt uns zu sakkāya („substanzielle Wirklichkeit“, SN 22.105 und Anmerkungen); alle drei Begriffe sind Fachausdrücke im Buddhismus und im Jainismus, aber nicht im Vedismus. Unsere Erkenntnisse stützen die von Paul Tedesco vorgeschlagene Ableitung aus pṛthak („Sanskrit pudgala – ‚body, soul‘“, Journal of the American Oriental Society 67, 1947, 172–7). Angesichts der Tatsache, dass das Paliwort puthu die Bedeutungen der Sanskritwörter pṛthu („umfassend, mannigfaltig“) und pṛthak („getrennt, individuell“) kombiniert, war die ursprüngliche Bedeutung vielleicht „zusammengesetzte Person“ (vgl. englisch „organism“ (deutsch „Organismus“; A.d.Ü.)). Vielleicht zog der Buddha puggala vor, weil es vedische Terminologie vermied und zugleich eine Verbindung zur khandha-Lehre nahelegte, dass die „Person“ eine „Masse“ von Komponenten beinhaltete. (Sujato)
Yvāyaṁ āyasmā evaṁnāmo evaṅgotto; der Ehrwürdige mit dem und dem Namen aus dem und dem Stamm. Der Kommentar sagt, dies beziehe sich auf jeden Menschen ab der Geburt. Die gleiche Wendung wird allerdings in SN 22.106:1.16 und SN 23.4:2.13 gebraucht und bezieht sich in beiden Fällen speziell auf den Arahant, weshalb er auch mit „ehrwürdig“ bezeichnet wird. Somit ist jemand, der „die Bürde trägt“, nicht jemand, der wiedergeboren wird und an den Aggregaten zu leiden hat, sondern jemand, der die Verantwortung der spirituellen Praxis in Bezug auf die Aggregate vollständig angenommen hat. (Sujato)
ayaṁ vuccati, bhikkhave, bhārahāro. Das nennt man den Träger der Bürde. Zusammenfassend argumentiere ich auf vier Grundlagen, dass der „Träger der Bürde“ jemand ist, der „die Verantwortung übernimmt“, den Pfad zu üben: 1. das Muster der Lehre (vier edle Wahrheiten); 2. die idiomatische Bedeutung; 3. die Ähnlichkeit zu AN 2.98–99; und 4. die Tatsache, dass die Wendung mit dem „Ehrwürdigen“ an anderer Stelle einen Arahant bezeichnet. (Sujato)
Katamañca, bhikkhave, bhārādānaṁ? Und was ist das Aufnehmen der Bürde?
Yāyaṁ taṇhā ponobhavikā nandīrāgasahagatā tatratatrābhinandinī, seyyathidaṁ—Es ist das Verlangen, das zu künftigen Leben führt. Es ist mit Genießen und Gier vermischt und vergnügt sich überall, wo es ankommt: nämlich
kāmataṇhā, bhavataṇhā, vibhavataṇhā. Verlangen nach Sinnenfreuden, Verlangen nach Dasein und Verlangen nach Nicht-Dasein.
Idaṁ vuccati, bhikkhave, bhārādānaṁ. Das nennt man das Aufnehmen der Bürde.
Katamañca, bhikkhave, bhāranikkhepanaṁ? Und was ist das Niederlegen der Bürde?
Yo tassāyeva taṇhāya asesavirāganirodho cāgo paṭinissaggo mutti anālayo. Es ist das restlose Schwinden und Aufhören eben dieses Verlangens, es herzugeben, loszulassen, freizusetzen und nicht daran festzuhalten.
Idaṁ vuccati, bhikkhave, bhāranikkhepanan”ti. Das nennt man das Niederlegen der Bürde.“
Idamavoca bhagavā. Das sagte der Buddha.
Idaṁ vatvāna sugato athāparaṁ etadavoca satthā: Und der Heilige, der Lehrer, fuhr fort:
“Bhārā have pañcakkhandhā, „Die fünf Aggregate sind wahrhaftig Bürden,
bhārahāro ca puggalo; und die Person ist der Bürdenträger.
Bhārādānaṁ dukhaṁ loke, Das Aufnehmen der Bürde ist Leiden in der Welt,
bhāranikkhepanaṁ sukhaṁ. und das Niederlegen der Bürde ist Glück.
Nikkhipitvā garuṁ bhāraṁ, Wenn die schwere Bürde niedergelegt wird,
aññaṁ bhāraṁ anādiya; ohne eine neue aufzunehmen,
Samūlaṁ taṇhamabbuyha, und wenn das Verlangen mit Stumpf und Stiel ausgerissen ist,
nicchāto parinibbuto”ti. dann ist man frei von Hunger, vollkommen verloschen.“
Paṭhamaṁ.