Other Translations: English , Polski , Srpski

From: ,

PreviousNext

Saṁyutta Nikāya 12.48 Verbundene Lehrreden 12.48

5. Gahapativagga 5. Das Kapitel über Hausbesitzer

Lokāyatikasutta Ein Kosmologe

Sāvatthiyaṁ viharati. In Sāvatthī.

Atha kho lokāyatiko brāhmaṇo yena bhagavā …pe… Da ging ein brahmanischer Kosmologe zum Buddha … „Kosmologie“ (lokāyata) war ein Zweig der Vedenkunde, der sich mit der Natur und Ausdehnung der Welt befasste und damit, wie man diese Dinge erkennen kann (AN 9.38, SN 12.48; vgl. Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 3.3.1). Vedische Metaphysik postulierte das „Sein“ als uranfängliche „Einzigkeit“, von der sich die Vielfalt der Welt ausbreitete. (Sujato)

ekamantaṁ nisinno kho lokāyatiko brāhmaṇo bhagavantaṁ etadavoca: Als er sich zur Seite hingesetzt hatte, sagte er zum Buddha:

“Kiṁ nu kho, bho gotama, sabbamatthī”ti? „Werter Gotama, ist alles?“

“‘Sabbamatthī’ti kho, brāhmaṇa, jeṭṭhametaṁ lokāyataṁ”. „‚Alles ist‘: Das ist die älteste Kosmologie, Brahmane.“ Die „älteste Kosmologie“ ist buchstäblich so. Die älteste indische Kosmologie findet sich in wenigen späten Hymnen des Rigveda, besonders im Nāsadīya-Sūkta, welches beginnt: „Zu jener Zeit war weder Sein, noch Nichtsein“ (Rigveda 10.129.1, deutsche Übersetzung von Graßmann). RV 10.72.2 sagt, dass für die ältesten Götter „aus dem Nichtseienden das Sein“ entsprang. (Sujato)

“Kiṁ pana, bho gotama, sabbaṁ natthī”ti? „Dann ist alles nicht?“

“‘Sabbaṁ natthī’ti kho, brāhmaṇa, dutiyametaṁ lokāyataṁ”. „‚Alles ist nicht‘: Das ist die zweite Kosmologie.“

“Kiṁ nu kho, bho gotama, sabbamekattan”ti? „Nun, ist alles eine Einzigkeit?“

“‘Sabbamekattan’ti kho, brāhmaṇa, tatiyametaṁ lokāyataṁ”. „‚Alles ist eine Einzigkeit‘: Das ist die dritte Kosmologie.“ Nachdem es sechs Zeilen lang das Sein behandelt hat, beginnt die siebte Zeile des Nāsadīya-Sūkta: „Nur Eines hauchte windlos durch sich selber und ausser ihm gab nirgend es ein andres“. Dann: „Das Eine ward durch Macht der Glut geboren“. Somit ist das Eine die unsterbliche Göttlichkeit, was den Kommentar bestätigt, der diesen Satz mit einem Ewigkeitsglauben identifiziert (und den folgenden mit Vernichtungsglauben). In ähnlicher Weise spricht auch RV 10.121 von dem namenlosen Schöpfer, der „als Einziger war“. (Sujato)

“Kiṁ pana, bho gotama, sabbaṁ puthuttan”ti? „Dann ist alles Ausdehnung?“ Puthutta wird an anderer Stelle für ein Gift gebraucht, das „sich ausbreitet“, und nur hier in einem philosophischen Sinn. Im gesamten Rigveda ist pṛthu die weite Ausdehnung der Erde und der Wasser, die von Indra ausgebreitet (z. B. RV 10.113.4) und von Agni mit Feuer überzogen werden (RV 10.156.3). Das Wort hat auch sexuelle Konnotationen: ein weiträumiger Mutterschoß (RV 10.99.2) oder ein fetter Hintern (RV 10.86.8; Śatapatha-Brāhmaṇa 1.2.5.16, 3.5.1.11). Während also „Einzigkeit“ auf die Göttlichkeit hinweist, die allem zugrunde liegt, weist „Ausdehnung“ auf die weite schwangere Welt, in der die Menschen leben. Daher soll der Opferkuchen weit ausgebreitet werden, aber nicht zu weit, denn das würde ihn menschlich und daher sterblich machen (ŚB 1.2.2.9). Im Nāsadīya-Sūkta finden wir statt pṛthu das Wort tiraścīna („darüber gezogen“; beide Begriffe sind synonym in ŚB 6.3.3.19); es beschreibt den suchenden Geist der weisen Poeten: „Und quer hindurch, war ihre Schnur gezogen, was war darunter? und was war darüber?“ (RV 10.129.5). Außerdem steht das Paliwort puthu sowohl für Sanskrit pṛthu („breit, weit, ausgedehnt“) als auch pṛthak („getrennt, einzeln“). Beide Bedeutungen treffen hier zu, und sie sind tatsächlich auch im Rigveda nicht getrennt, denn die Dinge, die getrennt verlaufen (pṛthak, Sonnenstrahlen, Flüsse, Kühe) verbreiten sich (pṛthu) über die weite Erde (pṛthivī). (Sujato)

“‘Sabbaṁ puthuttan’ti kho, brāhmaṇa, catutthametaṁ lokāyataṁ. „‚Alles ist Ausdehnung‘: Das ist die vierte Kosmologie.

Ete te, brāhmaṇa, ubho ante anupagamma majjhena tathāgato dhammaṁ deseti: Der Klargewordene vermeidet diese beiden Extreme und lehrt den Dhamma auf die mittlere Art:

‘avijjāpaccayā saṅkhārā; ‚Unwissenheit ist die Bedingung für Willensbildungsprozesse.

saṅkhārapaccayā viññāṇaṁ …pe… Willensbildungsprozesse sind die Bedingung für Bewusstsein. …

evametassa kevalassa dukkhakkhandhassa samudayo hoti. So kommt diese ganze Masse des Leidens zustande.

Avijjāya tveva asesavirāganirodhā saṅkhāranirodho; Wenn Unwissenheit schwindet und restlos aufhört, hören Willensbildungsprozesse auf.

saṅkhāranirodhā viññāṇanirodho …pe… Wenn Willensbildungsprozesse aufhören, hört Bewusstsein auf. …

evametassa kevalassa dukkhakkhandhassa nirodho hotī’”ti. So hört diese ganze Masse des Leidens auf.‘“

Evaṁ vutte, lokāyatiko brāhmaṇo bhagavantaṁ etadavoca: Auf diese Worte sagte der brahmanische Kosmologe zum Buddha:

“abhikkantaṁ, bho gotama …pe… „Vortrefflich, werter Gotama! Vortrefflich! …

ajjatagge pāṇupetaṁ saraṇaṁ gatan”ti. Von diesem Tag an soll der werte Gotama mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.“

Aṭṭhamaṁ.
PreviousNext