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Majjhima Nikāya 23 Mittlere Lehrreden 23
Vammikasutta Der Termitenhügel
Evaṁ me sutaṁ—So habe ich es gehört:
ekaṁ samayaṁ bhagavā sāvatthiyaṁ viharati jetavane anāthapiṇḍikassa ārāme. Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika.
Tena kho pana samayena āyasmā kumārakassapo andhavane viharati. Zu dieser Zeit nun hielt sich der Ehrwürdige Kassapa der Prinz im Finsteren Wald auf. „Kassapa der Prinz“ (Kumārakassapa) wurde ordiniert, als er zwanzig Jahre alt war (https://suttacentral.net/pli-tv-kd1/de/maitrimurti-traetow#62). Seine Strophen sind im Theragāthā (Thag 2.41) gesammelt. Seine Liebe zu ausgeklügelten und verspielten Gleichnissen zeigt sich im Pāyāsisutta (DN 23) und hallt hier in der Unterweisung wider, die an ihn gerichtet ist. Er wurde zum Vordersten derer mit geistvoller Rede erklärt (AN 1.217). | Der Finstere Wald (andhavana) war ein dichtes Waldstück südlich von Sāvatthī, das oft von Mönchen und Nonnen zur Meditation besucht wurde. Dies ist allerdings die einzige Lehrrede, in der es heißt, dass jemand dort lebe. Der Kommentar sagt, der Name bedeute „Wald des blinden Mannes“, und gibt dazu eine höchst unwahrscheinliche Entstehungsgeschichte. Vergleiche aber Sanskrit andhakūpa, „dunkler Brunnen“ oder „blinder Brunnen“, ein Brunnen, der mit einem Deckel verschlossen oder überwachsen war; auch der Name einer Hölle. (Sujato)
Atha kho aññatarā devatā abhikkantāya rattiyā abhikkantavaṇṇā kevalakappaṁ andhavanaṁ obhāsetvā yenāyasmā kumārakassapo tenupasaṅkami; upasaṅkamitvā ekamantaṁ aṭṭhāsi. Ekamantaṁ ṭhitā kho sā devatā āyasmantaṁ kumārakassapaṁ etadavoca: Da kam spät in der Nacht eine strahlende Gottheit, die mit ihrer Schönheit den Finsteren Wald weithin erhellte, zu Kassapa dem Prinzen, stellte sich zur Seite hin und sagte: Die Gottheit präsentiert eine Reihe obskurer Rätsel voller geheimnisvoller Bedeutung, fast wie eine Traumsequenz. Der bewusste Gebrauch von Unklarheit ist ein Markenzeichen der brahmanischen Literatur, denn „die Götter lieben verborgene Dinge“ (parokṣakāmā hi devāḥ, Śatapatha-Brāhmaṇa 10.6.2.2 und durchweg). Die Reihe ist als Suche nach einem vergrabenen Schatz aufgestellt. Dieses Mythologem ist implizit im vedischen Mythos von Indra, der die Rinder der Sonne aus der Valva-Höhle befreit, eine Tat, die die Wahrheit freisetzt. Manchmal wird es explizit gemacht, etwa wenn es heißt, Indra bringe die tief vergrabenen Schätze zum Vorschein (Rigveda 8.66.4). Auch die Aśvins sind mit dem Ausgraben vergrabener Edelsteine (Rigveda 1.117.5) oder von Gold (Rigveda 1.117.12) assoziiert, eine Bildsprache, die letztlich auf den Abbau unterirdischer Schätze und Mineralien zurückgeht. (Sujato)
“Bhikkhu bhikkhu, ayaṁ vammiko rattiṁ dhūmāyati, divā pajjalati. „Mönch! Mönch! Dieser Termitenhügel raucht bei Nacht und glüht bei Tag. Die Verehrung von Termitenhügeln und der tödlichen Schlangen, die sie beherbergen, ist bis heute in Indien verbreitet und ist wahrscheinlich vor-vedisch. Das Śatapatha-Brāhmaṇa bestätigt eine rituelle Bedeutung des Ameisenhaufens als kreative Manifestation der Erde, auf der Opfergaben abgelegt werden können; seine Ameisen waren göttlich (2.6.2.17, 6.3.3.5, 14.1.2.10). In Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 4.4.7 vergleicht Yājñavalkya einen toten Körper, der von der Seele verlassen ist, mit der leblosen abgestreiften Haut einer Schlange auf einem Ameisenhaufen. | Während Ameisenhaufen nicht „rauchen“ und „glühen“, machen große Termitenhügel sich das Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht zunutze, um Konvektionsströme zu erzeugen, die die Temperatur regulieren und Kohlendioxid ausleiten. (Sujato)
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. ‚Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘ Das Schwert wird ergriffen, ein Symbol, dessen Wurzeln in der Entdeckung des Schmelzens von Metallen lagen und in der Macht, die das demjenigen verleiht, der das Schwert schwingt. Aber der Satz ist doppeldeutig, denn sattha heißt sowohl „Schwert“ als auch „geheimes Traktat“, und abhikkhaṇa heißt sowohl „graben“ (abhi + √khaṇ) als auch „sehen“ (abhi + √ikkh; diese Bedeutung hat es nicht im Pali, aber vgl. das vedische abhikhyā). Somit wird der „Verständige“ (sumedha), wenn er den Finsteren Wald betreten hat, angehalten, die Weisheit der Schriften zu nutzen, um zu sehen. Diese Bedeutung wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass es der „Brahmane“ ist, der das sagt. (Sujato)
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa laṅgiṁ Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er eine Klebestelle: Laṅgi kommt nur hier vor und wird vom Kommentar mit paligha („Hindernis“) erklärt. So ein unklarer Begriff muss wegen eines Wortspiels ausgewählt worden sein. Das Sanskritwort lagna hat die primäre Bedeutung „kleben, haften“ und hat auch die Bedeutung des Beginns oder In-Kontakt-Kommens mit etwas. In modernen Sprachen wie Hindi, Marathi oder Kannada hat es die Bedeutung „Heirat“ angenommen, und vielleicht sehen wir dies hier vorweggenommen. Wenn wir auf der richtigen Spur sind, wäre die laṅgi die erste Herausforderung für einen monastischen Sucher, nämlich die Bindung an die Familie. Das würde erklären, warum es das erste Hindernis ist. (Sujato)
‘laṅgī, bhadante’ti. ‚Eine Klebestelle, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘ukkhipa laṅgiṁ; ‚Wirf die Klebestelle fort!
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa uddhumāyikaṁ. Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er einen Ochsenfrosch: Der männliche indische Ochsenfrosch besitzt ein Paar prominenter dunkelblauer Schallblasen, die beim Quaken an- und abschwellen, daher der Paliname uddhumāyika („Aufbläher“). | Rigveda 7.10 ist an Frösche gerichtet, die, wenn es trocken ist, still daliegen, aber in der Regenzeit zu Leben erwachen und die Natur mit ihrem Liebesquaken füllen wie die brahmanischen Priester ihre Strophen aufsagen und an ihre Schüler weitergeben. (Sujato)
‘Uddhumāyikā, bhadante’ti. ‚Ein Ochsenfrosch, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘ukkhipa uddhumāyikaṁ; ‚Wirf den Ochsenfrosch fort!
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa dvidhāpathaṁ. Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er eine Weggabelung: Rigveda 10.88.15 spricht von den zwei Pfaden der Götter und der Sterblichen (devānām uta martyānām); letzterer führt später als der Pfad der Väter (pitṛyāna) zur Wiedergeburt, während der Pfad der Götter (devayāna) zur Befreiung führt. Das entspricht den beiden Wahlmöglichkeiten des jungen Siddhattha: zu Hause bleiben oder fortziehen. (Sujato)
‘Dvidhāpatho, bhadante’ti. ‚Eine Weggabelung, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘ukkhipa dvidhāpathaṁ; ‚Wirf die Weggabelung fort!
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa caṅgavāraṁ. Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er einen Aschefilter: Caṅgavāra ist ein Filter, durch welchen laut Ja 525:29.2 Wasser heraustropft wie die kurzen Tage unseres Lebens. Die Kommentare sagen, solche alkalihaltigen Filter (khāra) seien von Wäschern benutzt worden. Das bezieht sich auf die traditionelle Art, Lauge (ein Vorläufer der Seife) für das Waschen herzustellen, wobei ein Fass mit Holzasche gefüllt und Wasser hindurch gegossen wird. Unabhängig davon, wie viele Krüge Wasser hinein gegossen werden, fügt der Kommentar hinzu, bleibe es stets beim Tropfen. (Sujato)
‘Caṅgavāro, bhadante’ti. ‚Ein Aschefilter, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘ukkhipa caṅgavāraṁ; ‚Wirf den Aschefilter fort!
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa kummaṁ. Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er eine Schildkröte: Wie in Śatapatha-Brāhmaṇa 7.5.1 beschrieben wurde eine Schildkröte auf dem Altar platziert, um die Urkräfte der Schöpfung zu symbolisieren: den Lebenssaft, die Sonne, den Atem und den Schöpfungsakt selbst. Ihr unterer und oberer Panzer und der Körper dazwischen entsprechen den drei Welten: der Erde, den Himmeln und dem Zwischenraum. Sie steht daher für die alte, endlose Bewegung des Lebens. (Sujato)
‘Kummo, bhadante’ti. ‚Eine Schildkröte, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘ukkhipa kummaṁ; ‚Wirf die Schildkröte fort!
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa asisūnaṁ. Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er ein Schlachtmesser und einen Hackklotz: In diesem gewalttätigen Gleichnis ist asi ein Messer, und sūna ist ein Ort, an dem Tiere geschlachtet werden, entweder ein Schlachthaus oder, wie hier, ein Schlachterwerkzeug. Mnd 1:23.18 sagt, dieser Satz habe die Bedeutung von „abhacken“ (adhikuṭṭanaṭṭhena). Vergleiche mit asiṁ sūnāṁ in der brutalen, sexuell plastischen Hymne in Rigveda 10.86.18c. Das vedische sūna war ein (genähter) „Korb“, um das Fleisch eines geschlachteten Tieres zu tragen (siehe auch Rigveda 1.161.10), eine Bedeutung, die sich zu „Hackklotz“ und „Schlachthaus“ weiterentwickelte. Jamison und Brereton lesen die vedische Passage als Analogie zum Pferdeopfer, an dessen Höhepunkt die Königin vulgären und völlig öffentlichen Sex mit dem toten Pferd hat. Das bringt auf die ausdrücklichst mögliche Weise die Einheit von sexueller Potenz mit dem Zyklus von Leben und Tod zum Ausdruck. (Sujato)
‘Asisūnā, bhadante’ti. ‚Ein Schlachtmesser und ein Hackklotz, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘ukkhipa asisūnaṁ; ‚Wirf das Schlachtmesser und den Hackklotz fort!
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa maṁsapesiṁ. Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er einen Fleischfetzen: Noch ein Gleichnis, das auch in MN 22:3.10 vorkommt. Ein maṁsapesi ist klein genug, dass eine Krähe ihn packen kann (MN 54:16.1) oder dass er auf einem Ofen rasch zerfällt (AN 7.74:7.1), somit ein „Fleischfetzen“ und kein großes Stück Fleisch. Das Gleichnis betont die Armseligkeit und Dürftigkeit des sterblichen Lebens, wobei unsere Wünsche und Bindungen mit diesem flüchtigen „Fleischfetzen“, den wir Körper nennen, verbunden sind. (Sujato)
‘Maṁsapesi, bhadante’ti. ‚Ein Fleischfetzen, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘ukkhipa maṁsapesiṁ; ‚Wirf den Fleischfetzen fort!
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā’ti. Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya addasa nāgaṁ. Der Verständige ergriff das Schwert und grub, da sah er eine Königskobra: Nāga bedeutet hier sowohl eine Kobra – die buchstäbliche Schlange, die unter dem Ameisenhaufen lebt – als auch das Schlangenwesen mit geheimnisvoller Macht, das einem Arahant analog ist, der „spirituelle Riese“. (Sujato)
‘Nāgo, bhadante’ti. ‚Eine Königskobra, Herr!‘
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
‘tiṭṭhatu nāgo, mā nāgaṁ ghaṭṭesi; namo karohi nāgassā’ti. ‚Lass die Königskobra da! Störe die Königskobra nicht! Verehre die Königskobra!‘
Ime kho tvaṁ, bhikkhu, pañhe bhagavantaṁ upasaṅkamitvā puccheyyāsi, yathā ca te bhagavā byākaroti tathā naṁ dhāreyyāsi. Mönch, geh zum Buddha und befrage ihn zu diesem Rätsel. So wie er es erklärt, sollst du es behalten.
Nāhaṁ taṁ, bhikkhu, passāmi sadevake loke samārake sabrahmake sassamaṇabrāhmaṇiyā pajāya sadevamanussāya, yo imesaṁ pañhānaṁ veyyākaraṇena cittaṁ ārādheyya aññatra tathāgatena vā, tathāgatasāvakena vā, ito vā pana sutvā”ti—Ich sehe niemanden in dieser Welt mit ihren Göttern, Māras und Brahmās, unter dieser Bevölkerung mit ihren Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen – ich sehe niemanden, der dieses Rätsel zufriedenstellend erklären könnte, außer dem Klargewordenen oder einem seiner Schüler oder jemandem, der es von diesen gehört hat.“ Das ist natürlich eine direkte Herabsetzung der Brahmanen, die sich damit brüsteten, Erklärungen für die unklarsten und rätselhaftesten Passagen zu finden. (Sujato)
Idamavoca sā devatā. So sprach jene Gottheit
Idaṁ vatvā tatthevantaradhāyi. und verschwand eben dort.
Atha kho āyasmā kumārakassapo tassā rattiyā accayena yena bhagavā tenupasaṅkami; upasaṅkamitvā bhagavantaṁ abhivādetvā ekamantaṁ nisīdi. Ekamantaṁ nisinno kho āyasmā kumārakassapo bhagavantaṁ etadavoca: Als dann die Nacht vorüber war, ging Kassapa der Prinz zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm:
“imaṁ, bhante, rattiṁ aññatarā devatā abhikkantāya rattiyā abhikkantavaṇṇā kevalakappaṁ andhavanaṁ obhāsetvā yenāhaṁ tenupasaṅkami; upasaṅkamitvā ekamantaṁ aṭṭhāsi. Ekamantaṁ ṭhitā kho, bhante, sā devatā maṁ etadavoca: „Herr, spät in der Nacht kam eine strahlende Gottheit, die mit ihrer Schönheit den Finsteren Wald weithin erhellte, zu mir, stellte sich zur Seite hin und sagte:
‘bhikkhu bhikkhu, ayaṁ vammiko rattiṁ dhūmāyati, divā pajjalati. ‚Mönch! Mönch! Dieser Termitenhügel raucht bei Nacht und glüht bei Tag.
Brāhmaṇo evamāha: Der Brahmane sprach:
“abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyā”ti. „Ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!“
Abhikkhaṇanto sumedho satthaṁ ādāya …pe… Der Verständige nahm das Schwert und grub, da sah er …
ito vā pana sutvā’ti. Ich sehe niemanden … der dieses Rätsel zufriedenstellend erklären könnte, außer dem Klargewordenen oder einem seiner Schüler oder jemandem, der es von diesen gehört hat.‘
Idamavoca, bhante, sā devatā. So sprach jene Gottheit, Herr,
Idaṁ vatvā tatthevantaradhāyi. und verschwand eben dort.
Ko nu kho, bhante, vammiko, kā rattiṁ dhūmāyanā, kā divā pajjalanā, ko brāhmaṇo, ko sumedho, kiṁ satthaṁ, kiṁ abhikkhaṇaṁ, kā laṅgī, kā uddhumāyikā, ko dvidhāpatho, kiṁ caṅgavāraṁ, ko kummo, kā asisūnā, kā maṁsapesi, ko nāgo”ti? Herr, was ist der Termitenhügel? Was ist das Rauchen bei Nacht und das Glühen bei Tag? Wer ist der Brahmane, und wer der Verständige? Was sind das Schwert, das Graben, die Klebestelle, der Ochsenfrosch, die Weggabelung, der Aschefilter, die Schildkröte, das Schlachtmesser und der Hackklotz und der Fleischfetzen? Und was ist die Königskobra?“
“‘Vammiko’ti kho, bhikkhu, imassetaṁ cātumahābhūtikassa kāyassa adhivacanaṁ, mātāpettikasambhavassa odanakummāsūpacayassa aniccucchādanaparimaddanabhedanaviddhaṁsanadhammassa. „Mönch, ‚Termitenhügel‘ ist ein Ausdruck für diesen Körper, der aus den vier Grundzuständen besteht, von Mutter und Vater gezeugt, mit Reis und Brei aufgebaut, der vergehen, sich abnutzen und dahinschwinden muss, der aufgelöst und zerstört werden muss. Gerade wie ein Termitenhügel durch Aktivität entsteht, die von Essen und Ausscheiden angetrieben wird, so wird dieser Körper von innen heraus durch Nahrung geschaffen. Auch beherbergt der Körper, wie der Termitenhügel, zahllose kleine Geschöpfe. (Sujato)
Yaṁ kho, bhikkhu, divā kammante ārabbha rattiṁ anuvitakketi anuvicāreti—Die ganze Nacht hindurch denken und erwägen, was man am Tag getan hat – Anscheinend ist es keine moderne Erfindung, sich nachts wegen seiner Arbeit aufzureiben. (Sujato)
ayaṁ rattiṁ dhūmāyanā. das ist das Rauchen bei Nacht.
Yaṁ kho, bhikkhu, rattiṁ anuvitakketvā anuvicāretvā divā kammante payojeti kāyena vācāya manasā—Die Arbeit, die man tagsüber mit dem Körper, der Sprache und dem Geist tut, nachdem man die ganze Nacht darüber nachgedacht hat –
ayaṁ divā pajjalanā. das ist das Glühen bei Tag.
‘Brāhmaṇo’ti kho, bhikkhu, tathāgatassetaṁ adhivacanaṁ arahato sammāsambuddhassa. ‚Brahmane‘ ist ein Ausdruck für den Klargewordenen, den Vollendeten, den vollkommen erwachten Buddha.
‘Sumedho’ti kho, bhikkhu, sekkhassetaṁ bhikkhuno adhivacanaṁ. ‚Verständiger‘ ist ein Ausdruck für den Mönch in Schulung.
‘Satthan’ti kho, bhikkhu, ariyāyetaṁ paññāya adhivacanaṁ. ‚Schwert‘ ist ein Ausdruck für edle Weisheit.
‘Abhikkhaṇan’ti kho, bhikkhu, vīriyārambhassetaṁ adhivacanaṁ. ‚Graben‘ ist ein Ausdruck für das Aufrütteln der Energie.
‘Laṅgī’ti kho, bhikkhu, avijjāyetaṁ adhivacanaṁ. ‚Klebestelle‘ ist ein Ausdruck für Unwissenheit.
Ukkhipa laṅgiṁ, pajaha avijjaṁ; ‚Wirf die Klebestelle fort‘ bedeutet ‚gib die Unwissenheit auf,
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyāti ayametassa attho. ergreife das Schwert, Verständiger, und grabe!‘
‘Uddhumāyikā’ti kho, bhikkhu, kodhūpāyāsassetaṁ adhivacanaṁ. ‚Ochsenfrosch‘ ist ein Ausdruck für Zorn und Gereiztheit. Der Ochsenfrosch (uddhumāyika) erinnert an solche Asketen, die sich aufblasen (uddhata) und über Doktrinen streiten (z. B. Thag 17.1:11.1). (Sujato)
Ukkhipa uddhumāyikaṁ, pajaha kodhūpāyāsaṁ; ‚Wirf den Ochsenfrosch fort‘ bedeutet ‚gib Zorn und Gereiztheit auf‘ …
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyāti ayametassa attho.
‘Dvidhāpatho’ti kho, bhikkhu, vicikicchāyetaṁ adhivacanaṁ. ‚Weggabelung‘ ist ein Ausdruck für Zweifel.
Ukkhipa dvidhāpathaṁ, pajaha vicikicchaṁ; ‚Wirf die Weggabelung fort‘ bedeutet ‚gib den Zweifel auf‘ …
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyāti ayametassa attho.
‘Caṅgavāran’ti kho, bhikkhu, pañcannetaṁ nīvaraṇānaṁ adhivacanaṁ, seyyathidaṁ—‚Aschefilter‘ ist ein Ausdruck für die fünf Hindernisse: nämlich Der Kommentar sagt, gerade wie Wasser kontinuierlich durch einen solchen Filter tropfe, könne der Geist von jemandem, der unter dem Einfluss der fünf Hindernisse stehe, nicht innerlich bei dem, was heilsam ist, gehalten werden. Das steht im Gegensatz zum Geist in Vertiefung, der mit Gleichnissen von Wasser veranschaulicht wird, die Stille und Abschottung betonen (DN 2:76.1 usw.). (Sujato)
kāmacchandanīvaraṇassa, byāpādanīvaraṇassa, thinamiddhanīvaraṇassa, uddhaccakukkuccanīvaraṇassa, vicikicchānīvaraṇassa. das Hindernis des sinnlichen Begehrens, des bösen Willens, der Dumpfheit und Benommenheit, der Rastlosigkeit und Reue sowie des Zweifels.
Ukkhipa caṅgavāraṁ, pajaha pañca nīvaraṇe; ‚Wirf den Aschefilter fort‘ bedeutet ‚gib die fünf Hindernisse auf‘ …
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyāti ayametassa attho.
‘Kummo’ti kho, bhikkhu, pañcannetaṁ upādānakkhandhānaṁ adhivacanaṁ, seyyathidaṁ—‚Schildkröte‘ ist ein Ausdruck für die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate: nämlich Die fünf Aggregate sind die fünf Glieder der Schildkröte, wobei Bewusstsein der Kopf ist. Die Aggregate stellen die sich stets verändernde Welt der Bedingungen dar, die vom Karma angetrieben werden, gerade wie die Schildkröte die kreative Kraft und das Leben der drei Welten darstellt. Im samādhi sind die Sinne nach innen gezogen wie die Glieder der Schildkröte (SN 35.240:1.4). (Sujato)
rūpupādānakkhandhassa, vedanupādānakkhandhassa, saññupādānakkhandhassa, saṅkhārupādānakkhandhassa, viññāṇupādānakkhandhassa. Form, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein.
Ukkhipa kummaṁ, pajaha pañcupādānakkhandhe; ‚Wirf die Schildkröte fort‘ bedeutet ‚gib die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate auf‘ …
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyāti ayametassa attho.
‘Asisūnā’ti kho, bhikkhu, pañcannetaṁ kāmaguṇānaṁ adhivacanaṁ—‚Schlachtmesser und Hackklotz‘ ist ein Ausdruck für die fünf Sinnesreize: Die Sinne arbeiten, weil der Sinnesreiz auf das Sinnesorgan einschlägt wie ein Messer auf einen Hackklotz. Wir suchen nach angenehmen Empfindungen, um die grundsätzlich stürmische Natur der Sinneserfahrung zu kaschieren. (Sujato)
cakkhuviññeyyānaṁ rūpānaṁ iṭṭhānaṁ kantānaṁ manāpānaṁ piyarūpānaṁ kāmūpasaṁhitānaṁ rajanīyānaṁ, Bilder, die das Auge erkennt, erwünscht, willkommen, angenehm, erfreulich, sinnlich und erregend;
sotaviññeyyānaṁ saddānaṁ …pe… Töne, die das Ohr erkennt …
ghānaviññeyyānaṁ gandhānaṁ …pe… Gerüche, die die Nase erkennt …
jivhāviññeyyānaṁ rasānaṁ …pe… Geschmäcke, die die Zunge erkennt …
kāyaviññeyyānaṁ phoṭṭhabbānaṁ iṭṭhānaṁ kantānaṁ manāpānaṁ piyarūpānaṁ kāmūpasaṁhitānaṁ rajanīyānaṁ. Berührungen, die der Körper erkennt, erwünscht, willkommen, angenehm, erfreulich, sinnlich und erregend.
Ukkhipa asisūnaṁ, pajaha pañca kāmaguṇe; ‚Wirf das Schlachtmesser und den Hackklotz fort‘ bedeutet ‚gib die fünf Sinnesreize auf‘ …
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyāti ayametassa attho.
‘Maṁsapesī’ti kho, bhikkhu, nandīrāgassetaṁ adhivacanaṁ. ‚Fleischfetzen‘ ist ein Ausdruck für Genießen und Gier.
Ukkhipa maṁsapesiṁ, pajaha nandīrāgaṁ; ‚Wirf den Fleischfetzen fort‘ bedeutet ‚gib Genießen und Gier auf‘ …
abhikkhaṇa, sumedha, satthaṁ ādāyāti ayametassa attho.
‘Nāgo’ti kho, bhikkhu, khīṇāsavassetaṁ bhikkhuno adhivacanaṁ. ‚Königskobra‘ ist ein Ausdruck für einen Mönch, der die Befleckungen aufgelöst hat.
Tiṭṭhatu nāgo, mā nāgaṁ ghaṭṭesi; namo karohi nāgassāti ayametassa attho”ti. Das ist die Bedeutung von: ‚Lass die Königskobra da! Störe die Königskobra nicht! Verehre die Königskobra!‘“
Idamavoca bhagavā. Das sagte der Buddha.
Attamano āyasmā kumārakassapo bhagavato bhāsitaṁ abhinandīti. Zufrieden begrüßte der Ehrwürdige Kassapa der Prinz die Worte des Buddha.
Vammikasuttaṁ niṭṭhitaṁ tatiyaṁ.